Trainingslauf? Ach, was soll’s (und warum ich es bereue)

Eigentlich war die Challenge Walchsee mein Vorbereitungsrennen für Hawaii. Logisch, ist ja auch eine Halbdistanz und passt 5 Wochen vor dem Ironman in Kona super in den Trainingsplan. Um aber noch etwas Distanz in die Beine zu bekommen, plane ich für den 17. September meinen monatlichen Marathon ein – als Trainingslauf natürlich, um mich nicht zu sehr zu belasten und dem Körper dennoch einen schönen Reiz für die anstehende Langdistanz zu geben.

Guter Plan. Aber man muss ihn eben auch einhalten – was ich leider nicht so ganz umsetzen konnte… Doch eins nach dem anderen. Am Tag vor dem Marathon habe ich ein hartes Radtraining abgespult, 105 km mit ordentlich Druck und 38er Schnitt auf dem Zeitfahrboliden. Dann abends nach Auerswalde, spät ins Bett und zeitig raus. Es regnet in Strömen. Egal, ab ins Auto und eine Stunde Fahrt nach Eibenstock. Außer dem Wetter ist scheinbar alles gut. Beim Einlaufen spüre zwar ich einen leichten, dumpfen Druck in der rechten Hüfte wie schon 3 Tage zuvor beim Tempotraining auf dem Sanderrasen. Aber hey, man kann sich auf nicht gleich über jedes Wehwehchen den Kopf zerbrechen oder?

Am Start treffe ich meinen Kumpel Tino aus Schulzeiten. Er hat sich zufällig auch angemeldet, es ist sein erster Marathon. Heute morgen ist er mit dem Rad (!) angereist und hat demnach schon eine kalte Dusche hinter sich. Wir laufen den ersten Kilometer zusammen und quatschen ein bisschen, bevor ich mich etwas nach vorn absetze. Direkt beim Start war ein Läufer mit saftigem Tempo voraus gelaufen – und zwar der Vorjahressieger, der sicherlich auch heute nicht zu schlagen sein wird. Aber die fünf Läufer dahinter sind kaum schneller als ich. Also laufe ich etwas zügiger als geplant an und schaue, dass ich den letzten dieser Gruppe, also den Sechstplatzierten, immer in Sichtweite behalte. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja später im Rennen eine gute Möglichkeit, die Gruppe zu überrennen.

Und genauso kommt es auch, allerdings schon recht bald. Etwa bei Kilometer 12 habe ich die Lücke zugelaufen, ohne dafür das Tempo erhöht zu haben. Auf einer langen Bergab-Passage nach der 15-Kilometer-Marke ziehe ich das Tempo für ein paar Kilometer an und setze mich von der Gruppe ab. Vom Laufgefühl her ist es eine ziemliche Rutschpartie über die nassen Waldwege. Teilweise geht es steil bergauf oder bergab, und insgesamt sind 800 Höhenmeter zu überwinden. Kein leichter Tag also für die Knochen – vor allem bergab, wo es ein paar heftige Passagen abzufedern gilt. Ich bin praktisch das ganze Rennen über komplett durchnässt, da es konstant regnet oder nieselt. Aber zum Glück ist es nicht zu kalt. Etwa 15 Grad sind gerade noch in Ordnung, da das schnelle Laufen konstant von innen heraus wärmt.

Ich liege also auf Platz 2. Nach vorn habe ich ganz sicher keine Chance, den Führenden einzuholen. Und es ist ohnehin keine Option, noch mehr aufs Tempo zu drücken, denn für den geplanten „Trainingslauf“ ist es bereits jetzt deutlich zu schnell. Also geht es nun darum, den 2. Platz zu sichern. Nach hinten ist etwas Luft, also schalte ich einen Gang zurück und versuche, einen konstanten Rhythmus zu finden. Für viele Kilometer fühlt sich das Laufen gut und „rund“ an. Doch ein Blick zurück bei der 30-Kilometer-Marke zeigt, dass das nicht reicht. Die Konkurrenz hat die Lücke schon fast wieder zugelaufen. Was also tun? Mich einkassieren lassen und den Lauf in moderatem Tempo irgendwo um Platz 5 beenden? Oder etwas Risiko gehen, das Tempo anziehen und den 2. Platz bis ins Ziel verteidigen?

Die Wegmarkierung zeigt nur noch 9 km bis ins Ziel. Scheinbar ist die Strecke dieses Jahr zu kurz (oder mein GPS geht um 3 km falsch, was aber schwer zu glauben ist). Zudem habe ich noch ein Not-Gel dabei, wie bei jedem langen Lauf. Also rein damit und das Tempo etwas erhöhen. Bis Kilometer 35 geht das gut, aber dann spüre ich die Erschöpfung. Ohne Tapering und Erholung direkt aus dem Training heraus und nach der schnellen Radeinheit am Vortag war es jetzt doch eine Nummer zu viel. Es fühlt sich an wie Wettkampftempo.

Nach einem langen Stück an der Talsperre kann ich etwa 200 Meter nach hinten schauen. Keiner zu sehen. Also kann ich auf den letzten Kilometern nochmal ein kleines bisschen Tempo rausnehmen, aber lasse es auch nicht zu locker werden. Denn wer würde kurz vorm Ziel noch riskieren, dass die Lücke zugelaufen wird?

Dann endlich der erlösende Zielbereich. Eine halbe Stadionrunde und ab über die Matte in 2:52:30 Stunden. Mein GPS zeigt gerade mal 39 km an. Soll mir recht sein, denn auf weitere 3 km habe ich nun wirklich keine Lust mehr. Nach kurzem Durchschnaufen kommt auch schon der Drittplatzierte ins Ziel, weniger als 1 Minute nach mir.

Quatschen, Essen und Trinken im Zielbereich. Dann schnell zum Auto, die nassen Sachen umziehen. Auf dem Rückweg treffe ich Tino, der konstant durchgelaufen ist: Platz 18 insgesamt und Platz 4 in seiner Altersklasse. Und das beim ersten Marathon und nach Anreise mit dem Rad im Regen, starke Leistung!

 

Siegerehrung 3 Talsperren Marathon Eibenstock 2016

Hier kann ich noch lachen: Platz 2 bei der Siegerehrung des 3-Talsperren-Marathons in Eibenstock. Foto: Tino Hofmann

 

Zusammen mit Tino gehe ich zum Aufwärmen in die Therme nebenan, die im Startgeld inklusive ist. Dann noch zur Siegerehrung und ab nach Auerswalde, wo es erstmal Kaffee und Kuchen gibt (oder zumindest das, was meine Familie noch übrig gelassen hatte). Zurück nach Würzburg geht es dann erst am Sonntag mit dem Zug, wo ich auch gleich diesen Beitrag schreibe.

Insgesamt ist das ganze Event eine super Sache: Bei der günstigen Startgebühr von nur 23 Euro sind die ganze Orga, die Streckenverpflegung und das Thermen-Ticket inklusive. Es gibt wohl kaum andere Wettkämpfe, die ein so gutes Preis/Leistungs-Verhältnis bieten! Zudem gibt es am gleichen Tag auch einen Halbmarathon, einen 8-Kilometer-Lauf sowie ein 50- und ein 100-Kilometer-Mountainbike-Rennen im Angebot.

Einen großen Haken hat der umfunktionierte Trainingslauf allerdings: Der leichte, dumpfe Schmerz in der Hüfte ist nun ziemlich stark und pocht abends sogar im Liegen noch leicht. Könnte doch etwas Ernstes sein, was bedeutet, dass der Marathon ganz sicher keine gute Idee war (vor allem nicht in dem Tempo). Zwar freue ich mich über den 2. Platz, mit dem im Vorfeld wirklich nicht zu rechnen war. Aber nun könnte sich das Ganze ziemlich negativ auf den Ironman Hawaii auswirken, der schon in 3 Wochen stattfindet…

Habe ich es also wieder mal übertrieben und zu viel riskiert? Waren die Bergab-Stücke an den 2 „Wandertagen“ in St. Johann nach der Challenge Walchsee die Ursache der Hüftprobleme? Jetzt ist jedenfalls erstmal Laufpause angesagt, um es vielleicht noch auszukurieren. Egal, wenn der finale Marathon auf Hawaii wegen der Laufpause dann nicht ganz so schnell ist. Hauptsache, es klappt überhaupt alles wie geplant. Eine langwierige Entzündung oder gar ein Ermüdungsbruch könnte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen. Ich hoffe, dass nichts von dem schon eingetreten ist. Heute, am Tag nach dem Rennen, fühlt es sich jedenfalls gar nicht gut an.

2 Kommentare zu Trainingslauf? Ach, was soll’s (und warum ich es bereue)

  1. AvatarMalte sagt:

    Saustark!!

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