Meine verrücktesten Wettkämpfe

8. September 2026
24 Stunden Lauf Deutsche Meisterschaft 2019 Bottrop
„Morgens um zehn in Deutschland“, oder besser: „Lieber Gott, bitte lass es endlich aufhören“. Auch solche Zombie-Bilder gehören dazu. Fix und fertig nach rund 23 Stunden Laufen am Sonntagmorgen, mit Cola bekleckert und voller Staub von oben bis unten, mit unkontrollierter Lauftechnik und mental in einer ganz anderen Welt… Foto: Michael Sommer

 

Vor kurzem habe ich einen Bekannten getroffen. Wir hatten uns einige Zeit nicht gesehen. Er fragte, ob ich immer noch so viele verrückte Wettkämpfe mache.

Da musste ich kurz überlegen. Habe ich wirklich „so viele verrückte Wettkämpfe“ gemacht, dass es meinen Freunden und Bekannten über Jahre im Gedächtnis geblieben ist? Anscheinend schon, sonst hätte er das nicht gesagt. Also habe ich mal überlegt – und eine Liste von zehn der aus meiner Sicht extremsten Aktionen zusammengetragen.

Für die Reihenfolge habe ich sowohl die Anstrengung als auch die damalige und rückblickende Besonderheit des jeweiligen Events einbezogen, was natürlich subjektiv ist. Und wer weiß, vielleicht kommen in Zukunft noch ein paar verrückte Dinge dazu 😉

 

Platz 10: Die längste Treppe der Welt (2017)

Der Ultraläufer Achim Heukemes hatte mir von diesem Lauf erzählt. Es klang spannend, die längste Treppe der Welt einmal zu begehen.

Allerdings war das Ganze ziemlich ernüchternd: Eine Treppe ist und bleibt eben eine Treppe. Das heißt: Unterwegs ist es mega anstrengend und man ist wenig motiviert, eine endlose Anzahl an steilen Stufen vor sich zu sehen. Aber oben angekommen war es mit der schönen Aussicht und der Ziellinie trotzdem eine besondere Erfahrung, die man „ein Mal“ gemacht haben kann.

 

Platz 9: Auf 75 Metern 6 Stunden im Kreis (2018)

Eigentlich sollte der 6-Stunden-Lauf in Fürth auf einem Rundkurs von etwa 1,5 km stattfinden. Doch dann schneite es über Nacht etwa 20 cm. Die Stadt entzog dem Veranstalter deshalb kurzfristig die Erlaubnis, das Rennen draußen durchzuführen. Man wollte das Event aber nicht komplett absagen. Also wurde eine etwa 75 Meter „lange“ Runde in der Turnhalle startklar gemacht.

Ich war ohnehin bereits angereist und dachte: Warum nicht mal eine Stunde mitlaufen? Doch dann lief es so gut, dass ich bis zum Ende dabei blieb und das Rennen auf Platz 1 beenden konnte. Aufgrund der Menge an Läufern und dem damit verbundenen Tumult sowie der ständigen Kurvenlage waren dabei natürlich keine Bestleistungen möglich. Aber die mehr als 900 Runden sind mir bis heute in bester (und lustiger) Erinnerung!

 

Platz 8: Teide komplett hoch und runter (2024)

Den höchsten Berg Spaniens, den Teide auf Teneriffa, hatte ich schon im Jahr 2020 zu Fuß erklommen. Aber nicht vom Meer aus. Das wollte ich nun, inspiriert durch die Strava-Aufzeichnung meines Ultralauf-Bekannten Thomas Ungethüm, nachholen. Und wenn schon, dann richtig: Vom Meer auf den Berg und zurück.

Eigentlich war meine Planung passabel. Ich hatte gerade genug Wasser und Essen dabei. Was ich aber unterschätzt hatte, war die massive Zerstörung meiner Oberschenkel durch das steile Bergab-Joggen über rund 4000 Höhenmeter. Das Ergebnis waren etwa 5 Tage Muskelkater aus der Hölle (zum Glück ohne Kompartmentsyndrom, das ich aufgrund der spürbaren Schwellung zwischenzeitlich befürchtet hatte).

 

Platz 7: Erste Triathlon-Langdistanz (2013)

Manche planen jahrelang akribisch auf ihre erste Langdistanz hin. Ich hatte dagegen kaum mehr als 1 Jahr Triathlon in den Beinen, als ich mich einfach mal für die Challenge in Roth anmeldete.

Der Respekt vor der Distanz ließ mich das Training massiv nach oben schrauben. Deshalb war das Ergebnis trotz mangelnder Erfahrung und ein paar Fehlern beim Pacing und der Ernährung fantastisch.

 

Platz 6: Erster Triathlon-Sieg (2014)

„Verrückt“ war dieses Rennen aus zwei Gründen. Zum einen, weil es einen völlig unerwarteten Verlauf nahm: Es sollte mein erster (und einziger) Gesamtsieg bei einem Triathlon werden – damals, im Sommer 2014 bei der Mitteldistanz in Hofheim. Und das, obwohl der Wechsel vom Schwimmen zum Rad ziemlich unprofessionell ablief, wie mein Kumpel André als Zuschauer bezeugen konnte.

Doch ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, konnte auf dem Rad nach vorn fahren und die Führung beim Laufen trotz höllischer Schmerzen am Fuß verteidigen. Genau diese Schmerzen waren der zweite Grund, weshalb ich das Rennen niemals vergessen werde: Ich trug keine Socken und die Haut unter meinem Fuß löste sich ab. Ich musste etwa 10 km auf dem Fleisch laufen. Doch ich wusste, dass so eine Chance vielleicht nie wieder kommt.

 

Platz 5: Mit dem Rad auf den „Mount Everest“ (2026)

Bei einem Everesting werden die Höhenmeter des Mount Everest, dem mit 8848 Metern höchsten Berg der Welt, innerhalb eines Tages zurückgelegt. Dass es solche Events gibt, wusste ich schon lange. Aber bisher hatte ich keine Priorität, daran teilzunehmen. Wegen meines nervigen Fersensporns, der mich länger als gedacht vom Laufen abhielt, war im Frühjahr 2026 die Zeit gekommen.

Insgesamt 48 Mal fuhr ich den gleichen Anstieg in Oberhof hoch und runter. Das letzte Drittel war eine ziemliche Quälerei, weil ich viel zu wenig trainiert hatte. Aber egal, es hat gereicht. Damit ist dieser Punkt von der Bucket List gestrichen. Jetzt fehlt noch das Everesting zu Fuß.

 

Platz 4: Hitzschlag beim Ironman Hawaii (2016)

Einmal bei der Altersklassen-WM auf Hawaii dabei sein, davon träumen viele Triathleten. Mit meinem guten Rennen beim Ironman Südafrika hatte es im Frühjahr 2016 gleich im ersten Anlauf mit der Quali geklappt. Zwar fühlte ich mich danach etwas ausgebrannt und hatte nicht mehr die ganz große Motivation fürs Training. Aber so eine Gelegenheit darf man natürlich nicht verpassen.

Nach einem passablen Schwimmen machte ich auf dem Rad einen entscheidenden Fehler: Zu wenig Kühlung. Eigentlich sollte man bei jeder Verpflegungsstation eine Flasche Wasser über Kopf und Körper kippen, um sich im Fahrtwind zu kühlen und nicht zu überhitzen. Doch genau das hatte ich versäumt. Das Ergebnis war ein Hitzschlag. Fast wäre ich nach dem Radfahren nicht mehr aus dem Wechselzelt herausgekommen. Doch ich wollte das Rennen unbedingt ins Ziel bringen, egal wie. Also hangelte ich mich von Eistonne zu Eistonne und konnte mich etwas erholen. Aber schön war es nicht. Deshalb war ich beim Zieleinlauf enttäuscht. Rückblickend bereue ich das. Denn letztlich ging es darum, einen Moment zu genießen, der nie wieder kommt.

 

Platz 3: Wenn man die Grenze überschreitet (2024)

Der Hitzschlag, der damals auf Hawaii noch gut ausging, hätte mich 8 Jahre später im schlimmsten Fall das Leben kosten können. Kaum Schlaf, heißes Wetter, zu wenig Trinken und Kühlen und ein extremer Siegeswille ließen mich eine Grenze überschreiten.

Zum Glück kam der Kollaps erst im Ziel, wo man mir schnell helfen konnte. Irgendwo auf der Strecke, im schlimmsten Fall wegen meiner verzerrten Wahrnehmung neben der Strecke irgendwo im Wald, hätte es ganz anders ausgehen können. Das hat mir der Notarzt im Rettungswagen gesagt. Denn meine Körpertemperatur war deutlich über 40 Grad. Ohne Bewusstsein und ohne Hilfe wäre sie in der Hitze dieses Tages weiter gestiegen.

 

Platz 2: Deutschlandlauf von Süd nach Nord (2019)

Manche nennen es Training. Andere halten es für verrückt. Jedenfalls bin ich im März 2019 in 3 Tagen knapp 300 km von Würzburg nach Auerswalde gelaufen. Am Ende war ich komplett fertig. Dabei war das nur der Test für ein noch größeres Projekt: Den geplanten Deutschlandlauf, bei dem ich das Land mit 80 km pro Tag von Süd nach Nord durchqueren wollte.

Doch daraus wurde nichts. Nachdem ich schon am 3. Tag Probleme bekommen hatte, die sich immer weiter verschlimmerten, musste ich schließlich bei Göttingen aufgeben.

 

Platz 1: Erster 24-Stunden-Lauf (2019)

Der extremste Lauf, den ich jemals gemacht habe, war mein erster 24-Stunden-Lauf im Jahr 2019 in Bottrop. Wer noch nicht selbst ein solches Rennen mitgemacht hat, kann sich kaum vorstellen, was es bedeutet, so lange am Stück zu laufen. Auch ich hatte es im Vorfeld völlig unterschätzt. Ein Ironman ist nichts dagegen. Mir läuft es heute noch kalt den Rücken herunter, wenn ich meinen damaligen Wettkampfbericht lese.

Natürlich hatte ich als Anfänger auf dieser Distanz vor allem bei der Verpflegung ein paar große Fehler gemacht und viel zu wenig Energie aufgenommen. Bei späteren Läufen war ich energetisch deutlich besser unterwegs. Aber trotzdem ist ein 24-Stunden-Lauf jedes Mal eine absolute körperliche und mentale Grenzerfahrung. Deshalb möchte ich hier, hier, hier, hier und hier die fünf weiteren 24-Stunden-Läufe nicht unerwähnt lassen.

 

Fazit

Das ist meine Liste von zehn Wettkämpfen bzw. sportlichen Aktionen, die ich rückblickend als besonders extrem bezeichnen würde.

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