Die zwei wichtigsten Dinge im Leben

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In diesem Beitrag möchte ich darüber philosophieren, worum es im Leben eigentlich geht, was wirklich zählt und was wir tatsächlich „besitzen“. Und wie bei den meisten philosophischen Beiträgen braucht es zunächst eine ausgiebige Vorrede, um uns etwas für das Thema aufzuwärmen.

Studien haben gezeigt, dass Menschen ab einem bestimmten Einkommen nicht mehr glücklicher werden. Dieses Level, ab dem die Lebenszufriedenheit in Industrieländern ihr Hoch erreicht, liegt bei einem Nettoeinkommen von rund 60.000 Euro im Jahr. [1]

Ich denke, dass das aus zwei Gründen so ist:

● Solange man nicht schwerreich ist, muss auch bei hohem Einkommen weiter gearbeitet werden, um Geld zu verdienen. Denn meist steigen mit dem Einkommen auch die Ausgaben, weil sich unsere Erwartungen schnell angleichen und wir viele Dinge plötzlich als selbstverständlich ansehen (Haus-Auto-Boot-Mentalität). Das Problem: Wem seine Arbeit eigentlich gar keinen Spaß macht, der sitzt jetzt im „goldenen Käfig“. Man hat alles, was man braucht, und trotzdem fehlt das Glücksgefühl von wirklicher Freiheit und Selbstbestimmtheit.

● Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, wie man unglücklich sein kann, wenn „Geld keine Rolle spielt“. Aber wer sehr viel hat, kann auch sehr viel verlieren! Das schürt die Angst, den Wohlstand wieder einzubüßen. Man lockt Neider an und wird gleichzeitig erpressbar. Im Lauf der Zeit kann auch Misstrauen gegenüber Freunden und Bekannten entstehen, weil man glaubt, sie wollen in Wirklichkeit nur ein Stück vom Kuchen. Allein die damit verbundenen Gedanken und Emotionen reichen aus, um die Lebensfreude zu belasten.

 

Für den normal sterblichen Durchschnittsverdiener klingt das nach Jammern auf hohem Niveau. Und das stimmt natürlich auch, wenn wir die Sache objektiv betrachten. Schließlich gibt es auf der Welt ganz andere Probleme! Allerdings denken wir eben nicht immer objektiv. Jeder Mensch existiert letztlich in seiner eigenen Lebensrealität. Und in diesem kleinen, eigenen Universum bestimmt sich das Glück nicht unbedingt daraus, was wir haben, sondern vor allem daraus, was wir denken. Glück ist also in hohem Maße subjektiv.

Remember, happiness doesn’t depend upon who you are or what you have; it depends solely upon what you think. (Zig Ziglar)

 

Die 2 wichtigsten Dinge im Leben

Was aber sind nun die wichtigen Dinge, die uns die Headline verspricht?

Das, was wir im Leben wirklich „besitzen“, sind Zeit und Energie. [2]

Mit Zeit ist unsere unbekannte, verbleibende Lebenszeit gemeint. Energie meint Gesundheit, Schaffenskraft und Begeisterungsfähigkeit. Es sind die elementaren Dinge, mit denen wir disponieren können. Egal, was wir tun, alles braucht Zeit und Energie. Es kommt also darauf an, wie wir diese Ressourcen, von denen jeder von uns in seinem Leben (im Normalfall) ungefähr gleich viel besitzt, nutzen.

Egal, wer wir sind, was wir haben und was wir machen, eines Tages ist unser Leben vorbei. Das ist nach heutigem Stand der Technik absolut sicher. Bis dahin haben wir eine bestimmte Menge an Zeit und Energie, um unser Leben zu leben und die Dinge zu tun, die wir uns erträumen. So einfach ist das.

Deshalb müssen wir uns auf das fokussieren, was wir wirklich wollen. Worauf wollen wir zurückschauen, wenn wir alt und grau sind? Was wollen wir unbedingt gemacht haben? Was würden wir bereuen, wenn wir damit unsere Zeit verschwendet hätten?

Mit diesen Fragen schaffen wir es, etwas ganz Grundlegendes zu finden: Unseren Sinn im Leben. Den Sinn, etwas aus innerster Überzeugung zu tun. Einen echten Lebensinhalt. Und nur das wird uns am Ende auch nachhaltig glücklich machen. Denn Geld ist kein Lebensinhalt. Es ist eine Zahl auf einem Konto.

Everybody is a financial trader. Most people are trading time for money. Worst trade of one’s life. (Tony Robbins)

 

Wer möchte tauschen?

Wie bei den meisten philosophischen Beiträgen klingt das alles ziemlich abstrakt. Also machen wir doch ein kleines Gedankenexperiment.

Wer glaubt, dass andere, deutlich reichere Menschen es viel besser haben, für den wäre doch ein „Tausch“ interessant, oder?

Im Magazin €uro gibt es einen regelmäßigen Abschnitt mit dem Titel „Milliardär des Monats“. Im Jahr 2015 war dort der letzte noch lebende Enkel des legendären Ölmagnaten und ersten Milliardärs in Amerika, John D. Rockefeller, abgebildet. Er feierte seinen 100. Geburtstag. Die Zahl auf seinem Geldkonto ist sicher sehr groß, aber sein Konto für Zeit und Energie schwindet dahin. [3] Was nützt uns alles Geld der Welt, wenn wir keine Zeit und keine Energie mehr haben?

In unseren jungen Jahren ist es genau umgekehrt. Wir haben viel Zeit und jede Menge Energie. Unser Körper ist stark und wir können einiges wegstecken. Und alles, was wir im Kopf haben, ist, unsere Zeit und Energie zu opfern, um damit Kohle zu scheffeln. Kohle, die uns irgendwann nichts mehr nützen wird und die wir dann, wenn es zu spät ist, viel lieber in Zeit und Energie zurücktauschen würden!?

Das klingt übertrieben? Dann stellen wir doch folgende Frage: Wenn einer der reichsten und erfolgreichsten Menschen der Welt, Warren Buffett (wird am 30. August 2015 schon 85 Jahre alt) die Wahl hätte, durch Aufgabe seines gesamten Vermögens mit einem jungen Menschen zu tauschen und dessen ganze Zeit und Energie zu haben, aber dafür keinen einzigen Cent (!) in der Tasche, würde er sich darauf einlassen?

Ich denke, er würde das ohne mit der Wimper zu zucken tun. Wahrscheinlich wäre es der beste „Trade“ seines Lebens!

Aber noch viel wichtiger ist die Frage: Würdest du dich als junger Mensch (was ich jetzt mal annehme) darauf einlassen, mit Warren Buffett zu tauschen? In welcher Lebenssituation wären wir wohl glücklicher, vor oder nach diesem Tausch?

Ich möchte damit auf keinen Fall sagen, dass wir nicht versuchen sollten, etwas zu erreichen. Ganz im Gegenteil. Wie eingangs beschrieben ist es gut, an seinen Träumen zu arbeiten. Denn sie geben uns den Sinn im Leben, der die Grundlage dafür ist, glücklich zu sein. Aber um diese Ziele zu erreichen, muss man sich auch seiner begrenzten Ressourcen bewusst werden und seine Zeit und Energie sparsam und fokussiert einsetzen, statt einfach planlos vor sich hin zu leben und sie sinnlos zu verschwenden.

Im Triathlon frage ich mich in harten Wettkämpfen oft: Warum das Ganze? Warum diese Quälerei und die Schmerzen, um alles rauszuholen, was der Körper hergibt? Im Ziel weiß ich dann immer, warum: Um zu spüren, dass ich lebe. Um zu schätzen, welchen hohen Wert eine Banane und ein Becher Cola haben können, wenn man völlig am Ende ist. Um mir vor Augen zu führen, dass jeder Schmerz vergänglich ist. Und um später, wenn ich alt und schwach bin und meine Zeit und Energie zur Neige gehen, und das wird auf jeden Fall passieren, auf alle diese Erfolge und Abenteuer zurückschauen zu können.

 

Fazit

Geld allein macht uns nicht glücklich. Wer darüber nachdenkt, wie er sein Geld anlegen möchte, muss sich bewusst sein, dass dies ein Luxusproblem ist. Denn ganz offensichtlich hat man dann bereits genug Geld für sein alltägliches Leben, sodass überhaupt etwas zum Investieren übrig bleibt.

Die wichtigsten Dinge in unserem Leben sind Zeit und Energie. Wir brauchen sie, um das zu erreichen und zu erhalten, was uns Sinn im Leben gibt. Doch diese Ressourcen werden eines Tages verbraucht sein, auch wenn sie uns heute noch unerschöpflich erscheinen. Man sollte deshalb nicht aufschieben, an seinen Zielen und Träumen zu arbeiten. Natürlich können diese Ziele als netten Nebeneffekt auch beinhalten, viel Geld zu verdienen. Aber wer sich ohne Geld nicht glücklich und frei fühlt, wird es auch mit Geld nicht sein. Und anders als Zeit und Energie lässt sich Geld im Leben immer irgendwie neu beschaffen.

Das, wonach viele Menschen suchen, haben sie eigentlich die ganze Zeit vor Augen: Das Leben selbst. Familie und Freunde. Reisen, Abenteuer und gemeinsame Erlebnisse. Das sind die Dinge, die unser Leben bereichern und an die wir uns irgendwann erinnern, nicht eine emotionslose Zahl auf einem Konto. Es ist sicher eine bittere Erkenntnis, am Ende seines Lebens festzustellen, dass man in Wahrheit seine Zeit und Energie nur darauf verschwendet hat, einem Geist nachzujagen. Sorgen wir also dafür, dass uns das nicht passiert.

Hinweise und Quellen:

[1] Spiegel Online (2010), Reichtum-Studie: 60.000 Euro jährlich reichen für vollendetes Glück, Zugriff am 24.08.2015

[2] Die ursprüngliche Idee zu diesem Artikel stammt aus einem Newsletter von Mercenary Trader.

[3] David Rockefeller starb im Jahr 2017.

7 Kommentare zu Die zwei wichtigsten Dinge im Leben

  1. AvatarHannes sagt:

    Klasse.. Unterschreibe ich;)

  2. AvatarAlex sagt:

    „Es ist sicher das schlimmste, was man bereuen kann,…“
    Der Mensch liebt die Gewohnheit, scheut die Veränderung, will die Dinge festhalten die man nicht festhalten kann.
    Ein erster Schritt ist zu erkennen, dass man an etwas festhält was Zeit und Energie verschwendet. Der falsche Job, eine schlechte Beziehung oder eben auch ein Verlusttrade.

    Loslassen zu können ist der Schlüssel um später nichts bereuhen zu müssen.

  3. MarkoMarko sagt:

    Danke euch für die Kommentare! Es ist nicht immer einfach, die richtige Perspektive für die Dinge zu bewahren. Aber man muss sich von Zeit zu Zeit das große Ganze ins Bewusstsein rufen, um die wirklichen Ziele im Auge zu behalten. Und nicht irgendwann feststellen zu müssen, seine Zeit und Energie nur mit sinnlosen Alltagsdingen vergeudet und nichts wirklich erlebt und versucht zu haben.

  4. AvatarNicole sagt:

    Bedingt durch eine Kindheit welche sich als ein “ Ueberlebenskampf heraus kristalisierte sowie in meiner Ehe – 23 Jahre – hatte ich mich nur zu selten meiner Ressourcen erinnert, geschweige denn diese erkannt! War bis dato zu selten “ Mutter “ fuer mich selbst. Sondern stets in Fuersorge fuer meine kleine Familie….NUN…. Bin ich 44 Jahre! Vor ungefaehr einem Jahr erkannte ich- im ersten Moment sehr schmerzhaft – in zweiten Moment dankbar-, dass ich viel Zeit und Energie auf mein vorwaerts kommen bezogen , sinnlos verschwendete, vor allen Dingen Talente nicht ausgelebt hatte.
    Dankbar war ich jedoch fuer diese Erkenntnis!
    Zu Viele kostbare Jahre in welche ich mich entwickeln und haette foerdern koennen, habe ich nicht “ sinnnvoll “ fuer MICH genutzt. Ich hatte irgendwann mal – aufgrund von Fremdbestimmung und – geglaubter – Abhängigkeit aufgehoert mich zu spüren. Diese Abhängigkeit entpuppte sich als eine “ Fessel “ welche ausschliesslich in meinem Kopf entstanden war.
    So als wäre ein Pferd an einem Plastikstuhl angebunden!
    Fuer das Pferd ein leichtes auch mit diesem Stuhl seinen Weg zu gehen. Doch das Pferd bleibt stehen und wartet “ artig “ auf seinen Reiter der die Zuegel wieder übernimmt! … Daher ganz im Sinn von dem Kommentator Alex an dieser Stelle “ Loslassen…ein erster entscheidener Schritt… Denn festhalten kostet Kraft…loslassen schafft Raum seine Faehigkeiten zu entwickeln!
    Was ich nun zum Ausdruck bringen moechte ist…ich bin an dem Punkt angekommen deutlich erkannt zu haben, was es bedeutet, wenn du von “ Zeit, Energie und sinnlos verschwerndete Ressourcen “ schreibst!
    Heisst im Klartext: Ich kann dir aus eigener Erfahrung heraus zu stimmen. Egal wie alt ein Mensch ist, egal wie steinig und auch erschöpfend der eigene Lebensweg…es kann funktionieren…den ganz individuellen Sinn des Lebens zu finden…dazu Bedarf es erst einmal ueberhaupt zu erkennen, ob und in welcher Form man sich seinen Ressourcen erinnert. Harte Arbeit mit bzw an mir selbst.
    Bedeutet in erster Linie sich zu spueren.
    Vor Monaten noch hatte ich Muehe 5 Kilometer in einem durch zu laufen. Jetzt tickt meine innere Uhr…will laufen, mich spueren, will meinen eigenen persoenlichen Erfolg…auf meine Ziele aufgebaut….nun bin ich bei 10 km welche ich in 55 Min. laufen kann 😉 Mein Traum : Zieleinlauf in 45 Minuten…dann einen Halbmarathon…dazu gehoert eine ausgewogene Ernährung…darueber fand ich “ den eigentlichen Weg zu Dir „!
    Aber grundlegeng moechte ich mal die Frage im Raum werfen “ hat denn in erster Linie unser tun und handeln…unsere Suche „nach dem Sinn des Lebens „nicht auch oder vielleicht ausschliesslich mit Selbstliebe zu tun!?
    Selbstliebe bedeutet doch…auf sich zu achten! Sich zu spueren!
    Sich somit seiner Ressourcen zu besinnen?
    Oftmals durch – Aussenstehende wie z.b. den eigenen Eltern, Anegehoerige, Mitmenschen allg….also schon in der fruehen Kindheit – finden wir nicht den Zugang zu uns, lernen nicht uns zu lieben! So Bedarf es doch diese fehlende Selbstliebe zu erkennen und im “ Alter “ neu zu entdecken?!
    In diesem Sinn….passe weiterhin gut auf dich auf ! 😉

  5. MarkoMarko sagt:

    Danke Nicole für deinen sehr persönlichen Kommentar! Ich denke, dass man sich selbst lieben muss, um zufrieden und glücklich zu sein und positiv auf andere zu wirken. Ganz ohne Egoismus (im positiven Sinne) können wir nicht existieren, man muss einfach in gewissem Maß auf sich selbst achten.

  6. AvatarDavid sagt:

    Hi Marko, super Beitrag, habe ich an Familie und Freunde weitergeleitet. Immer wieder sinnvoll, sich diesen Fragen zu stellen, zu reflektieren und sein eigenes Leben ggf. neu zu justieren.

  7. AvatarWILLIAM sagt:

    excelente ¡¡

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