Wintertraining auf Lanzarote und Fuerteventura

In der zweiten Woche vor Weihnachten bietet sich auch dieses Jahr wieder ein kleines Trainingslager im Süden an, da alle großen Projekte für dieses Jahr schob per 10. Dezember abgeschlossen sind. Selbst im Winter ermöglicht die Sonne auf den Kanaren gutes Training, hebt die Stimmung für den weiteren Winter und lädt den Vitamin-D-Akku für starke Knochen und ein stabiles Immunsystem. Außerdem schaffe ich es, 260 Kilometer Lauftraining abzuspulen und damit zum Jahresende nochmal einen kleinen Trainingsreiz zu setzen.

 

1. Tag: Flug nach Lanzarote

Die Reise startet diesmal in meinem Heimatort Auerswalde, wo ich zwei Tage bei meinen Eltern verbracht habe. Nach einer sehr kurzen Nacht geht es zeitig los zum Bahnhof Burgstädt und von dort zum Flughafen Halle/Leipzig. Mein Flug geht nach Arrecife auf Lanzarote, wo ich schon vor zwei Jahren trainiert habe.

Auf Lanzarote angekommen nehme ich den Bus nach Puerto del Carmen, checke in meiner Pension ein und drehe eine kleine Joggingrunde. Jedes Mal, wenn man im Winter auf den Kanaren ankommt, gibt die Sonne sofort einen richtigen Energie-Boost.

 

Puerto del Carmen Lanzarote Kanaren

Kurzer Strandbesuch bei Ankunft in Puerto del Carmen. Erstmal etwas Sonne tanken.

 

kurz vor Sonnenuntergang Puerto del Carmen Lanzarote Kanaren

Manchmal sieht „kurz vor“ Sonnenuntergang einfach besser aus

 

Abends bin ich dann aber platt vom langen Tag und gehe zeitig schlafen.

 

2. Tag: Laufrunde durch die Hügel

Erstmal ausschlafen, um erholt ins Training gehen zu können. Dann breche ich zu einer großen Runde auf: Entlang der Küste geht es über den kleinen Ort Playa Quemada in die Los-Ajaches-Hügel.

 

Steilküste Los Ajaches Lanzarote Kanaren

Blick auf die Steilküste der Los-Ajaches-Hügel.

 

Beim Laufen durch die Hügel spüre ich allerdings schnell, dass ich zu wenig Wasser dabei habe. Zwar hat es nur etwas über 20 Grad, aber beim Laufen in der Sonne kommt man schon ordentlich ins Schwitzen.

 

Aussicht Südspitze Lanzarote Kanaren

Aussicht auf die Südspitze von Lanzarote

 

Ich schleppe mich mit einigen Pausen bis Femes und fülle dort die Speicher wieder auf, bevor es zurück nach Puerto del Carmen geht.

 

Femes Kaktus Kakteen Lanzarote Kanaren

Kaktus statt Wiese in diesem Garten im kleinen Ort Femes

 

Bergziege Lanzarote Kanaren

Mein Vorbild, die Bergziege 🙂

 

Abends stelle ich dann fest, dass ich mir einen ordentlichen Sonnenbrand eingefangen habe – das wäre natürlich zu vermeiden gewesen…

 

3. Tag: Fähre nach Fuerteventura

Morgens ist noch Zeit für etwas Arbeit am Notebook, bevor der Checkout ansteht. Mit dem Bus geht es nach Playa Blanca, wo ich die Fähre nach Corralejo auf Fuerteventura nehme.

 

Hafen Corralejo Fuerteventura Kanaren

Blick auf den Hafen von Corralejo

 

In Corralejo mache ich einen kleinen Stadtrundgang und checke dann in ein Surfer-Hostel ein. Es ist die perfekte Unterkunft für die restlichen Tage mit netter Gesellschaft morgens und abends in entspannter Atmosphäre, besser als jedes Hotel (abgesehen vom Schnarcher im Zimmer). Den restlichen Tag nutze ich für eine Laufrunde rund um sowie durch den Ort, bei den ich auch gleich einige Surfer an zwei verschiedenen Stellen sehe.

 

Sand Steine in Corralejo Fuerteventura Kanaren

Interessanter „Sand“ am Strand in Correlejo

 

4. Tag: Sandsturm

Wieder bin ich zeitig wach und arbeite bis zum Frühstück am Notebook. Draußen ist zunächst ungewöhnliches Wetter, es regnet heftig und stürmt. Als es vormittags trocken wird, breche ich zu einer Laufrunde entlang der Dünen in Richtung Süden auf. Nach etwa zehn Kilometern biege ich ab und laufe den freistehenden Vulkan Montana Roja hinauf. Hier ist ein extremer Wind, doch ich denke mir nichts dabei und setze meine geplante Runde fort.

 

Montana Roja Fuerteventura Kanaren

Aussicht vom heute extrem windigen Berg Montana Roja

 

Sandstein Felsen Fuerteventura Kanaren

Interessanter Sandstein am Wegesrand

 

Wenig später bläst mir der Sand ins Gesicht, als ich landeinwärts laufe. Aber ich gehe immer noch davon aus, dass sich das wieder legt. Doch weit gefehlt. Der Wind wird immer stürmischer und es kommt ein richtiger Sandsturm auf. Jetzt habe ich echte Bedenken, zu viel Sandpartikel einzuatmen und meine Lunge zu „verstauben“. Außerdem ist das Zeug längst auch in Mund, Augen und Ohren, was ziemlich unangenehm ist.

 

Sandsturm Fuerteventura Kanaren

Das letzte Foto, bevor ich das Handy wegpacke, damit sich der Staub nicht in jede Ritze setzt

 

Bei der nächsten Gelegenheit drehe ich querfeldein wieder Richtung Küste ab. Zurück auf der Küstenstraße komme ich aber nicht weit: Die Sanddünen am Straßenrand werden vom heftigen Wind in dichten Schwaden über die Straße geweht. Keine Chance, hier weiterzulaufen. Ich halte am Straßenrand an und versuche, per Anhalter mitzufahren. Es dauert eine Weile, aber dann hält zum Glück eine Frau an, die wohl Mitleid mit einem verrückten Jogger hatte – vielen Dank! Und sorry, dass es in den wenigen Sekunden, in denen die Autotür offen war, jede Menge Sand hineingeblasen hat…

Zurück in der Unterkunft erfolgt eine Grundreinigung unter der Dusche. Anschließend hoffe ich, dass sich das Sandproblem mit etwas Husten erledigt. Und so ist es dann zum Glück auch.

Abends geht es zusammen mit zwei anderen noch zum wohlverdienten Pizza All You Can Eat in der Stadt – eine sehr gute Energiereserve für die kommenden Tage!

 

5. Tag: Wüstenweg nach El Cotillo

Die Nacht verläuft ruhig, die Lunge hat also scheinbar nichts Schlimmes abbekommen. Am Morgen kratze ich den restlichen Sand aus den Augen und Ohren, der sich noch angesammelt hat.

Nach dem gekürzten Lauf von gestern (36 km) versuche ich es heute nochmal mit einer größeren Runde. Von Corralejo laufe ich auf einem Wüstenweg, der nicht asphaltiert ist, entlang der Küste nach Westen. Die Sonne brennt, das Meer rauscht über den Lavafels, der Wind weht moderat, die Möwen kreisen am Himmel und die Beine sind gut – was will man mehr?

Ich mache eine Pause am Leuchtturm Faro del Toston und biege dann nach Süden Richtung El Cotillo ab. Hier rollen mächtige Wellen auf die imposante Küste zu.

 

Leuchtturm Faro Toston Fuerteventura Kanaren

Blick auf den Leuchtturm aus Meeresrichtung

 

Steilküste El Cotillo Fuerteventura Kanaren

Wilde Steilküste bei El Cotillo

 

Für den Rückweg laufe ich zunächst entlang der Straße und dann über den Vulkankrater Caldero Hondo nach Corralejo – insgesamt 52 km heute.

 

Esel Lajares Fuerteventura Kanaren

Zwei nette Esel am Straßenrand im kleinen Ort Lajares

 

Krater Vulkan Caldero Hondo Fuerteventura Kanaren

Blick in den Krater des Caldero Hondo Vulkans. Zum Größenvergleich: Links oben steht jemand (ganz klein).

 

6. Tag: Wanderung zum höchsten Berg auf Fuerteventura

Heute steht eigentlich ein Ruhetag an, der aber keiner wird. Ich nehme den Bus nach Morro Jable, der inklusive Umstieg in Puerto del Rosario etwas über 3 Stunden (!) braucht. Angekommen in Morro Jable schaue ich kurz bei der Turtle Nursery vorbei und gehe dann am Strand entlang. Hier ist, ohne zu übertreiben, alles voller deutscher Rentner und die Preise für Kaffee sind gleich doppelt so hoch. Nichts wie weg aus dieser Touristenhochburg, denke ich, und schlage die geplante Route den Berg hinauf in Richtung Pico de la Zarza ein, dem höchsten Punkt auf Fuerteventura.

 

Barbary Ground Squirrel Eichhörnchen Schwanz Kanaren

Das niedliche „Staubwedeltier“… ist eine eingeschleppte Art, die als Plage gilt und Krankheiten überträgt.

 

Golfplatz Jandia Fuerteventura Kanaren

Grüne Wiese auf Fuerteventura? Das kann nur ein bewässerter Golfplatz sein 🙂

 

Pico de la Zarza Jandia Fuerteventura Kanaren

Blick vom Pico de la Zarza im Jandia-Naturpark auf die Nordküste in Richtung Cofete.

 

Insgesamt ist die Wanderung mit 21 Kilometern länger als gedacht. Wieder unten angekommen gehe ich kurz zum Strand und nehme dann den Bus zurück nach Corralejo. Der Busfahrer hat es ziemlich eilig, sodass es durchaus einen stabilen Magen braucht, um alles drin zu behalten. Zurück in der Unterkunft stelle ich fest, dass der rechte Knöchel auf der Innenseite etwas schmerzt – und entscheide mich, zur Sicherheit morgen einen richtigen Ruhetag einzulegen.

 

7. Tag: Ruhetag auf der Insel Lobos

Ich fühle mich nach den vielen Laufkilometern erschöpft und bin froh, dass etwas Entspannung ansteht. Also schlendere ich zum Hafen in Corralejo und nehme die Fähre zur Insel Lobos. Dort angekommen laufe ich die Insel entgegen dem Uhrzeigersinn ab, wobei auch hier wieder rund 11 Kilometer zusammenkommen. Unterwegs sehe ich viele Vögel und Salamander, aber leider auch einen toten Delfin, der an der Küste angespült wurde.

 

Trail Isla Lobos Fuerteventura Kanaren

Trail auf der Insel

 

Isla Lobos Fuerteventura Kanaren

Aussichtspunkt Vista la Caldera mit Blick auf Fuerteventura

 

Am späten Nachmittag geht es mit der Fähre zurück nach Corralejo. Dort gönne ich mir ein großes Eis mit viel Sahne und kaufe noch den obligatorischen Magnet für den Kühlschrank zu Hause.

 

8. Tag: Königsetappe

Der letzte Tag des Trainingsblocks bricht an. Ein guter Grund, den Körper nochmal auszutesten. Es ist heute morgen ausnahmsweise mal bewölkt, sodass ich ohne Sonnencreme loslaufen kann. Von Corralejo geht es die bekannte Strecke entlang der Dünen nach Süden und weiter bis nach Puerto del Rosario, wo ich nach 25 km die erste Pause für Essen und Auftragen von Sonnencreme einlege, und dann weiter Richtung Flughafen.

Von nun an bekomme ich aber immer wieder Probleme mit dem Puls, die mich zum Anhalten zwingen – ich nehme an, dass es ein Symptom von Übertraining ist. Später überlege ich sogar, ganz abzubrechen, aber will es mir einfach nicht eingestehen. Also spule ich die zweite Hälfte im Stop-and-Go-Verfahren ab. Nach 52 km lege ich eine planmäßige Pause in Pozo Negro ein, um die Wasservorräte aufzufüllen.

 

Pozo Negro Fuerteventura Kanaren

Pozo Negro, ein entspannter Mini-Küstenort abseits der Touristenhochburgen.

 

Den eigentlichen Plan, über Las Playitas nach Gran Tarajal zu laufen, muss ich aus Zeitgründen verwerfen und kürze ab – zu lange haben die kurzen Pausen insgesamt gedauert.

 

Wüste Naturpark Cuchillos Vigan Fuerteventura Kanaren

Vertrockneter Boden im Naturpark Cuchillos de Vigan

 

Einige Kilometer vor Gran Tarajal erwische ich dann kurz nach Sonnenuntergang um 18:10 Uhr fast auf die Sekunde den Bus zurück zur Unterkunft. Dort startet heute ein großer Barbecue-Abend, aber dafür bin ich dann doch zu platt und verabschiede mich ins Bett.

 

9. Tag: Flug nach Frankfurt

Noch einmal ausschlafen nach der harten Runde gestern. Dann ein letztes entspanntes Frühstück und Checkout. Mit dem Bus geht es zum Flughafen, wo ich noch zwei Stunden am Notebook Fotos sortiere und beginne, diesen Beitrag zu schreiben (den Rest dann später auf dem Flug).

Wichtige Notiz für kommende Trainingsausflüge: Für den Abreisetag künftig immer eine leckere Tortilla aus dem Supermarkt als Reiseverpflegung einpacken – denn nach den langen Läufen ist man hungrig wie ein Löwe, und am Flughafen gibt es meist nur teuren Mist.

Spät in der Nacht besorge ich mir endlich ein gesundes Abendessen im Flughafen-Rewe. Dann geht es per IC-Bus zurück nach Würzburg, wo ich erschöpft ins Bett falle und mich auf den morgigen 4. Advent mit Michaela und das anstehende Weihnachtsfest freue 🙂

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