6 Stunden auf der Bahn

31. August 2020

Am 29. und 30. August stand ein ganz besonderer Wettkampf auf dem Plan: Der IAU 6 Hour Global Solidarity Run.

Weltweit nahmen daran 240 Starter aus vielen verschiedenen Ländern in Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und Europa teil. Die Idee war es, einen gemeinsamen virtuellen Lauf zu organisieren, da wegen Corona dieses Jahr fast alles ausgefallen ist – vor allem nationale und internationale Meisterschaften.

Für Deutschland sind 6 Männer und 5 Frauen vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nominiert. Ich habe das Glück, auch mit dabei sein zu können, obwohl mir für eine absolute Spitzenleistung gegenüber den Top-Läufern ein bisschen das Grundtempo fehlt.

Mein Ziel ist es, rund 80 km zu laufen, also ein Durchschnittstempo von 4:30 min/km über 6 Stunden. Das ist bei guten Bedingungen und ohne unerwartete Probleme durchaus realistisch.

Zuerst war geplant, die flache und schattige Runde im Stadtpark in Würzburg zu laufen. Doch als ich die Strecke besichtige, fällt mir auf, dass hier viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Zudem kreuzen an mehreren Stellen andere Wege die geplante Laufrunde, was bei meinem nicht gerade langsamen Lauftempo durchaus Kollisionsgefahr bedeutet.

Also wird kurzerhand umgeplant: Ich werde auf der 400-Meter-Bahn in Höchberg laufen. Sie ist durchgehend geöffnet, mit dem Rad von Michaelas Wohnung aus gut erreichbar und es gibt keine nennenswerten Störfaktoren.

 

Unzählige Runden im Oval

Am Samstagmorgen stehe ich sehr früh auf, esse Frühstück und fahre mit dem Rad zu Michaela. Von dort aus transportieren wir Klapptisch, Wasser und Streckenverpflegung zum Waldsportplatz. Die Bedingungen sind gut, es ist angenehm kühl und bewölkt. Um 07:01 Uhr laufe ich los – leider ohne vorherige Pinkelpause, die ich leider später während des Laufs nachholen muss, was direkt eine halbe Minute kostet.

Die ersten 4 Stunden laufen ganz gleichmäßig und solide. Die Intensität fühlt sich gut an, die Pace ist mit etwa 4:20 min/km nur minimal schneller als geplant. Auch die Verpflegung mit einem Mix aus Maurten, Buffer und Bananen sowie einer gelegentlichen Wasserkühlung klappt gut.

 

IAU 6 Hour Global Solidarity Run Marko Gränitz
Foto: Michaela Roßbach

 

Gegen 10:30 Uhr kommt mein Kumpel Sven vorbei. Er ist professioneller Fotograf und schießt in der kommenden halben Stunde einige super Bilder – danke dir dafür!

 

IAU 6 Hour Global Solidarity Run Marko Gränitz
Fotos: Sven’s Bildwerke

 

Doch als Sven seine letzten Fotos macht, spüre ich schon, dass ich muskuläre Probleme bekomme. Es ist die gleiche Stelle, an der ich vor zwei oder drei Wochen schonmal Schmerzen hatte. Es könnte daran liegen, dass ich noch nicht zu 100% erholt bin von den langen Wanderungen und vielen Höhenmetern im Urlaub in der Schweiz. Doch später sagt mir unser Teammanager am Telefon, dass es wohl an der Bahn liegt, auf der lange Läufe für die Muskulatur nicht gerade optimal sind…

Aber zurück ins Hier und Jetzt. Es sind noch knapp 2 Stunden zu Laufen. Normalerweise heißt es nun, die Zähne zusammen zu beißen, wenigstens die Schrittfrequenz und die Lauftechnik halbwegs durchzuhalten und mental für das Tempo zu kämpfen. Doch es fällt mir sehr schwer, bis ans Limit zu gehen und ganz allein ohne Konkurrenten und ohne Zuschauer das Maximum rauszuholen. In einem „echten“ Rennen könnte ich sicherlich noch etwas härter pushen, aber heute verliere ich gegen Ende ordentlich Zeit.

 

Das Ergebnis

Die Summe dieser Faktoren ist es, die meine sicher geglaubten 80 km doch noch entschwinden lassen. Am Ende stoppe ich die Uhr auch noch eine halbe Minute zu früh. Sie zeigt knapp 79 km, was einer durchschnittlichen Pace von 4:34 min/km entspricht. Die Spitzenleute aus dem deutschen Team sind bis zu 85 km gerannt, bei den Frauen die meisten über 70 km.

Im Nachhinein bin ich aber trotzdem halbwegs zufrieden. Es war super, überhaupt dabei sein zu können. Aber vor allem war es definitiv mal etwas ganz anderes! Wer kann schon behaupten, fast 80 km auf einer 400-Meter-Bahn gerannt zu sein… Dafür muss man schon etwas verrückt sein. Und die Erinnerung an dieses einzigartige Projekt bleibt in jedem Fall 🙂

Last but not Least nochmal herzlichen Dank an meine Supporterin Michaela für die Hilfe bei der Verpflegung und die zusätzlichen Fotos!

2 thoughts on “6 Stunden auf der Bahn”

  1. Es gibt immer mehr schwachsinniges auf dieser Welt. Anstatt mal gescheite Leistungen auf bestehende Laufstrecken zu bringen, erfindet man ständig einen neuen Scheiss, nur weil die Läufe immer mehr Angst vor einem harten Training haben. Alles Weicheier 😠😠

    1. 6 Stunden sind wirklich nicht gerade ein Klassiker. In Corona-Zeiten muss man mitnehmen, was es gibt. Aber dass es unter Ultraläufern besonders viele Weicheier gibt, würde ich nicht behaupten 😉

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